Sachwert statt Geld-weg!
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„Grundbuch schlägt Sparbuch“, „Sachwert statt Geldwert“, „Grundbesitz ist sicherer als Aktien“ – all das waren Schlagworte, die als Argumente für Immobilienerwerb schon seit Jahrzehnten zu lesen waren und immer noch sind. In der Zeit meiner Tätigkeit als Chefredakteur eines Verlags für Immobilien und Finanzen habe ich selbst diese Leitsätze mit verlegt, mit verbreitet. Und sie sind immer noch wahr – aber: heute sollte es besser heißen: Sachwert statt Geld-weg! Denn noch nie in der Geschichte wurde weltweit binnen kurzer Zeit so viel Geld vernichtet wie in diesen Tagen und Wochen. Milliardenvermögen waren von einem Tag auf den anderen weg. Wie ein Orkan fegte eine Schreckensnachricht nach der anderen über die Börsenticker und News Headlines.
Doch wurde das Geld wirklich vernichtet? Aktien verloren an Wert, Depots und ganze Banken verschwanden von der Erdoberfläche. Aber was geschah tatsächlich? Nichts anderes als dass Geld relativiert wurde. Nein, wir wollen hier nicht Einstein heranziehen, den Erdenker der Relativitätstheorie. Obwohl der ja gerade gesagt hat: „Das Geld zieht nur den Eigennutz an und verführt stets unwiderstehlich zum Missbrauch.“ Kaum ein Spruch könnte die Ursache der heutigen Krise besser beschreiben. Doch zurück zu unserer Behauptung: Geld wurde relativiert, nicht vernichtet. Warum? Ganz einfach: Ein Aktienzertifikat hat immer einen relativen Wert. Relativ zum tatsächlichen Wert des Unternehmens, wie er von Menschen eingeschätzt wird, relativ zum Quartalsbericht, relativ zu einer guten oder einer schlechten Nachricht aus dem Unternehmen – und relativ zu all den Menschen, die mit dem Unternehmen, den Aktien, der Börse, anderen Menschen zu tun haben. Waren vorgestern die Aktien noch relativ viel wert, so sind sie heute eben relativ wenig wert. Oder gar nichts mehr, was auch relativ wenig ist.
Relativ zum Vermögen eines Milliardärs ist ein Wertverlust seines Depots von 20 Millionen wenig. Relativ zum Normalverdiener, der 100.000 Euro in Aktien investiert hat, was seine ganzen Ersparnisse sind, ist ein Verlust von 50.000 Euro viel, sehr viel sogar.
Aktien, Optionen, Wertpapiere haben immer einen relativen Wert. Den kann man in glücklichen Stunden gegen viel, in unglücklichen Stunden gegen wenig Geld eintauschen.
Auch Geld selbst hat bekanntlich einen relativen Wert. Da wir von Jahr zu Jahr mehr Geld aufwenden müssen, um uns eine Tüte Brötchen oder eine Kanne Heizöl zu kaufen, nimmt es an Wert relativ zu unseren Bedürfnissen immer mehr ab.
Doch was hat das mit Sachwerten, mit Grund und Boden, zu tun? Haben Sie mal beobachtet, dass Ihre Miete relativ stark gestiegen ist, wenn Sie die letzten 30 Jahre zurückblicken? Ich habe 1971 für ein kleines Dachstübchen in Frankfurt als Student 70 DM im Monat bezahlt, was relativ zu den 400 DM Bafög, die ich erhielt, viel war. Heute würden Sie für solch ein Dachstübchen wahrscheinlich 350 Euro zahlen, also etwa zehnmal so viel. Was relativ zum heutigen Bafög sehr viel ist. Und für eine 100m² Vier-Zimmer Wohnung am Sachsenhäuser Berg zahlte ich in den achtziger Jahren 800 DM warm. Heute kosten im gleichen Straßenzug 30m² Apartments satte 500 Euro warm – mehr als das Doppelte für weniger als ein Drittel Wohnfläche.
Haben Sie auch beobachtet, wie die Grundstückspreise relativ zu anderen Dingen gestiegen sind? Unser Notar erzählte mir neulich die Geschichte, wie er vor etwa 50 Jahren mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Schule täglich an einem Schild vorbeifuhr, auf einem Acker, auf dem stand: Zu verkaufen, DM 40,- pro m². Für seine Eltern war es relativ viel Geld und sie scheuten sich, den Acker zu kaufen. Heute steht dort das Main-Taunus-Zentrum.
Untersucht man die relativen Wertanstiege von Grund und Boden und von Immobilien in den letzten Jahrzehnten und vergleicht diese nur einmal mit den Mietanstiegen, Gehältern, Einkommen usw. so wird man feststellen, dass – von solchen Ausnahmen einmal abgesehen, wo zu völlig überzogenen Preisen verkauft wurde – hier der relativ sicherste Werterhalt erfolgte, der in Bezug zum Einkommen stattfand. Gewiß, auch Immobilien haben ihre Tücken, angefangen vom Mietrecht über Modernisierungen, Energieeinsparungsgesetzen und Mietnomaden. Solcherlei kann jemandem ein solches Investment auch mal vergällen. Jedoch, das Eigentum an Grund und Boden hat, seit es Menschen gibt, immer einen hohen Stellenwert, und solch schlechten Erfahrungen, so schmerzlich sie auch sind, sind eher die Ausnahme. Und vor den Menschen haben Dinosaurier, Bären, Löwen und Säbelzahntiger umd ihr Revier gekämpft, im Streben nach Überleben.
Kann man nun die Prognose wagen, dass jetzt relativ viele Menschen ihr noch vorhandenes Vermögen, aber auch ihr Vertrauen, wieder zunehmend in Immobilien investieren werden?
Ich kann es nicht sagen. Aber ein Fazit ist jetzt schon sicher: Geld ist immer relativ. Grund und Boden ist immer solide. Und relativ zu Geld eben auch relativ sicher.
